04.04.2016Die wahre Größe

Mercedes-Benz, Sprinter City 65, BUSFahrer-Supertest

Für Mercedes-Benz zählt der Sprinter City 65 zu den wichtigen Minibussen. Seit 2006 wurde er ständig verbessert. Wie gut ist der Bus heute?

Die Geschichte des Sprinter City 65 ist im Grunde eine Entwicklungsgeschichte. Denn seit der Minibus aus Dortmund 2006 zum ersten Mal das Licht der Welt erblickte, erfuhr er zahlreiche Veränderungen. Dabei wurde schon von Anfang an darauf geachtet, dieses Fahrzeug so praxistauglich wie möglich zu gestalten: 5 Gang-Wandlerautomatik, ein komfortabler Fahrerarbeitsplatz auch für „Groß-Bus“ verwöhnte Fahrer und ein großzügig wirkender Fahrgastraum, dessen Highlight der Niederflur-Bereich zwischen den Achsen ist. Dazu kam der omnibusspezifische Aufbau, bei dem auch Erfahrungen vom Citaro eingeflossen sind: Die Karosserie basiert auf einer KTL-beschichteten Gerippe-Konstruktion. Diese ist mit einer hochfesten Außenhaut aus glasfaserverstärktem Kunststoff beplankt.

Dass aber noch Optimierungspotenzial vorhanden war, konnte man schon 2008 erleben, als eine um 20 Zentimeter längere Niederflur-Zone mit nun 2.000 Millimeter Länge präsentiert wurde. Damit wurde es nicht nur möglich, bei Bedarf drei hochfeste Sitze im Niederflur-Bereich zu platzieren, es erhöhte sich auch der Platz für Rollstühle oder Kinderwagen. Eine weitere Änderung betraf die Stufen zum Hochboden-Abteil: Hier konnte durch eine Optimierung am Mittelgang aus zwei Stufen eine gemacht werden, was mögliche Stolperfallen verringerte. Nur ein Jahr später mit Einführung der Abgasnorm Euro 5/EEV stiegen Leistung und Drehmoment auf 120 kW und 360 Nm und das Fahrzeug wurde für ein zulässiges Gesamtgewicht von 5.650 Kilogramm (statt 5.500 kg) zugelassen. Bis 2014 folgten die nächsten Optimierungen, beispielsweise eine Heckanhebung als zusätzliche Funktion der Heck-Luftfederung als Sonderausstattung, der Umfang wählbarer Sonderausstattungen und Kundensonderwünsche wurde erweitert, ein neuer Fahrerzahltischschrank mit einem Staufach für die Fahrertasche, ein Feuerlöscherplatz und zusätzlicher Raum für Linientechnik hielten Einzug und bei der Fahrzeugausführung war nun auch eine Überlandbestuhlung mit 2- und 3-Punkt-Gurten wählbar.

Ab Anfang 2014 dann verjüngte Mercedes-Benz seine Sprinter-Baureihe, davon profitierte auch der City 65 und erhielt sein bis heute gültiges Frontdesign mit den sehr großen Scheinwerfern, die durch die großzügigen Reflektoren auch ein sehr helles Licht abgeben. Angepasst in diesem Zuge wurden die Klimaabdeckhaube, die Heizungs- und Klimasteuerung, welche modifiziert wurde, sowie der Kompressor, der nun deutlich leistungsstärker war. Mit der Einführung der Abgasnorm Euro 6 wurde auch der Motor OM 651 optimiert, obwohl er in seinen Grundzügen, den Leistungsdaten und Drehmomentverläufen unverändert blieb. Verbessert wurden der Einspritzverlauf, die Verbrennung und der Ladedruck. Das sollte für einen geringeren Verbrauch und ein leiseres Verbrennungsgeräusch sorgen.

Und in der Tat, während des Testverlaufs in Berlin zeigte sich das angepasste Aggregat in einer guten Form. Dazu kommt die aufwendige Konstruktion des Fahrwerks. Serienmäßig gibt es an der Hinterachse eine Luftfederung, die Vorderachse wurde verstärkt. Ebenfalls verstärkt wurden die Stabilisatoren an Vorder- und Hinterachse, die Wankbewegungen des Aufbaus verhindern. Dass dies funktioniert, konnte beim Test erfahren werden.

Einen großartigen Dienst leistete die neue 7-Gang-Wandlerautomatik 7G-Tronic Plus. Gab es im Vorgänger nur die 5-Gang-Version, hat mit dem neuen Getriebe ein neues Zeitalter in Sachen Fahrkomfort begonnen. Positiv fiel auf, dass nun die nächsthöhere Schaltstufe schon spür- und hörbar früher eingelegt wird als bisher. Das verringert zum einen das Geräuschniveau und zum anderen den Verbrauch. Auch leistet die getestete Kraftstrang-Kombination bei schwierigen topografischen Bedingungen gute Arbeit. Einen gemischten Eindruck hingegen hat das Thema ESP hinterlassen. Gut ist, dass es der Sprinter hat. Weniger gut ist, dass es ein für einen Transporter hin entwickeltes ESP ist. Das bedeutet, um zu erleben, dass dieses Sicherheitssystem in Aktion tritt, bewegt man sich als Fahrer bereits in Geschwindigkeits- und Querbeschleunigungs-Regionen, die für einen Busfahrer jenseits von Gut und Böse sind. Wer mit einem 12 Meter-Bus unterwegs ist, weiß, dass dort das ESP bereits zu regeln beginnt, wenn eine Kurve nur einen Hauch zu schnell angefahren wird. Aber natürlich muss man an dieser Stelle auch fairerweise dem Sprinter ein ausgezeichnetes Fahrverhalten attestieren. Selbst in kritischen Situationen bleibt der Bus fahr- und lenkbar. Wer also im Fall der Fälle einen kühlen Kopf bewahrt, kann sich mit dem Niederflur-Sprinter aus so manch prekärer Situation retten.





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