21.12.2016Nur Fliegen ist schöner

VDL, Doppeldecker

Wäre der Airbus A380 ein Bus, dann würde er wohl der FDD2-Doppeldecker von VDL sein. Bis zu 91 Fahrgäste kann der neue Doppelstockbus befördern und das in einem Ambiente, welches zum Sitzenbleiben verführt.

Auch wenn der Bus in Prospekten deutlich futuristischer dargestellt wird, als er in Wirklichkeit daherkommt, ist dieser FDD2 dennoch eine imposante Erscheinung. Viel Glas und klare Formen, das sind seine wesentlichen Design-Merkmale. Dazu kommt eine sehr stimmige, schmale Bugmaske, durch die dieser Bus tatsächlich noch einen Tick moderner wirkt als seine FHD- oder FMD-Geschwister. Insgesamt wirkt der Bus seriös, zeitlos und dürfte seine Liebhaber in Sachen Aussehen in ganz Europa finden, anders als die Busse einiger Hersteller, deren Design stark und sichtbar an die geschmacklichen Vorlieben einzelner Ländergruppen gekoppelt ist.

Dem Kenner wird, wenn er seitlich am Bus entlangschaut, sofort ein Detail auffallen, das durchaus ein wenig ungewöhnlich ist – der superlange Radstand von 7,25 Metern. Wow – das ist viel! Sieht man sich einige seiner direkten Wettbewerber an, dann überragt er in Sachen Radstand die identisch langen Busse um bis zu knapp 70 Zentimeter. Diese haben nämlich einen längeren Überhang hinten, vor allem aber vorn. Ohne Frage, es hat alles seine Vor- und Nachteile. Längere Überhänge können in Rampensituationen extrem nervig sein, ein langer Radstand auch, hier kommt dann aber noch eine höhere Sperrigkeit beim Abbiegen in engen Situationen hinzu. Beim FDD2 gilt zudem, die ohnehin geringe Bodenfreiheit wird durch die Ersatzradmulde zusätzlich eingeschränkt. Allerdings muss fairerweise gesagt werden: Es gab auf der Testrunde keine Situation, in der der Bus seinen manövriertechnischen Grenzen nahekam. Doch das kann sich im realen Alltag auch schnell ändern. Wendig ist der Bus trotzdem, auch wenn er natürlich nicht an die traumhaften Radeinschlag-Werte eines FHD kommt. Der Doppelstockbus bietet konzept- und bauraumbedingt einfach weniger Freiheiten an der Vorderachse. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das: Sensationellen 60 Grad beim FHD stehen „nur“ 52 Grad beim FDD2 ent­gegen.

Wie fährt sich aber nun ein Bus mit weit über sieben Metern Radstand? Der Test auf dem Gelände des ADAC Fahrsicherheitszentrums Berlin-Brandenburg kann da schon Antworten bringen. So muss ja jeder Testkandidat die Pylonengasse absolvieren, in der die Hütchen im Abstand von 20 Metern gestellt werden und die mit Tempo 40 durchfahren wird. Und siehe da: Es funktioniert auch mit dem VDL, ohne dass die zweite oder dritte Achse die Pylonen abräumt. Allerdings erfordert diese Fahrt ein extrem beherztes Vorgehen am Lenkrad, um dem Bus die gewünschte Richtung aufzuzwingen. Dabei bleibt der gesamte Aufbau aber erfreulich stabil und die Seitenneigung hält sich in erträglichen Grenzen. Dem von uns kürzlich getesteten Neoplan Skyliner mit seiner adaptiven Stoßdämpferregelung kann der FDD2 in Sachen Fahrdynamik allerdings nicht ganz das Wasser reichen.

Geschaltet wird der VDL Futura FDD2 per ZF AS-Tronic, also einem automatisierten Schaltgetriebe. Im Testbus, bei dem es sich um eines der allerersten Fahrzeuge überhaupt handelte, war die Motor-Getriebe Abstimmung ausgezeichnet, hier haben die VDL-Entwickler in den letzten Jahren doch jede Menge dazugelernt. Ob in alltäglichen Situationen beim Anfahren oder bei Ampelstopps oder in etwas kniffeligeren Momenten, wie sie beispielsweise am steilen Berg auftreten können, wird quasi verzögerungs- und ruckfrei geschaltet. Beim Rückwärtsfahren sollte man als Fahrer den Kriechgang nutzen, dann klappt es auch recht komfortabel mit dem Rangieren. 2.500 Newtonmeter leistet der 13 Liter große Paccar-Motor. Das ermöglicht es auch in bergigen Regionen, mit nicht allzu hohen Drehzahlen unterwegs zu sein und das kommt wiederum dem Dieselverbrauch zugute. 





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