07.07.2017Der 15-Meter-Lulatsch

Setra, S 519 HD, BUSFahrer-Supertest

Länge läuft: Dieser Spruch ist zwar nicht neu, aber er passt. Der Setra S 519 HD liegt auf der Straße wie angenagelt, sein Handling ist bemerkenswert.

Man sieht diesem Bus seine Länge an. Gestreckt wie eine im Sprung befindliche Raubkatze fährt der Setra S 519 HD am Testgelände vor. Ein Blick zwischen die ersten beiden Achsen verspricht zudem Spannung im Handling-Parcours. Denn über sieben Meter Radstand wollen erst einmal beherrscht werden. Dazu kommt ein hinterer Überhang von satten 3,30 Metern, den sollte man bei Abbiegemanövern in Engstellen besser im Kopf behalten, um unliebsame Begegnungen der teuren Art zu vermeiden.

Auf der Autobahn fühlt sich dieser Bus deutlich am wohlsten. Ansonsten ist es zumindest optisch eine ganz normale ComcortClass. Allerdings fällt bei genauer Betrachtung das Segment direkt hinter der dritten Achse auf, hier befindet sich eine üppig bemessene Klappe direkt vor dem rechten Lüftungsgitter. Das ist auch kein Zufall, denn hier wurde in der Gerippestruktur Platz geschaffen für einen Heckeinstieg. Damit vergrößert sich dann das Kofferraumvolumen, das beim aktuellen Testfahrzeug 12,4 Kubikmeter abzüglich 1,2 Kubikmeter für das Bord-WC beträgt.

Wird die Fahrerschlafkabine genutzt, fehlen noch einmal 1,6 Kubikmeter. Damit dürfte es dann schon ein wenig eng zugehen beim Beladevorgang, zumindest dann, wenn die maximale Fahrgastplatzkapazität von 71 Sitzplätzen genutzt wird. Doch das ist ohnehin nicht unbedingt anzuraten, wenn man es sich nicht mit seinen Passagieren verscherzen will und im präferierten Fernbus-Einsatz gelten ohnehin andere, komfortablere Sitz­abstände. Das Fernbus-Segment scheint ohnehin eines der geeigneten Einsatzgebiete für diesen Bus zu sein, denn der spielt seine Stärken weniger in Städten oder auf kurvenreichen Landstraßen als vielmehr auf der Autobahn aus. Er scheint der perfekte Kandidat zu sein, wenn es darum geht, möglichst viele Menschen möglichst wirtschaftlich über weite Strecken zu befördern. Und wirtschaftlich bedeutet in diesem Fall: Der Kaufpreis liegt mit von Setra angegebenen 415.000 Euro netto deutlich unter dem eines Doppeldeckers, der auch nicht wesentlich mehr Fahrgäste befördern kann. Und in Sachen Autobahn-Verbrauch braucht sich der auf 21,5 Tonnen ausgeladene Bus nicht zu verstecken. Durchschnittlich 20 Liter auf 100 Kilometer sind mehr als ordentlich. Auf Fernstraßen kommt zudem noch der intelligente Tempomat PPC (Predictive Powertrain Control) zum Einsatz, der den Verbrauch noch einmal um bis zu vier Prozent senken kann. Natürlich hatte der Testbus sämtliche bei Setra derzeit erhältlichen Sicherheits- und Assistenzsysteme an Bord: Dazu zählen der Front Collison Guard, der Bremsassistent, der Active Brake Assist 3, der auch stehende Hindernisse erkennt, und eine Reifendruckkontrolle. 

In Sachen Handling ist der S 519 HD ein Traum. Drei Achsen und ein enormer Radstand von 7,14 Metern halten den Bus so sicher auf der Fahrbahn, als sei der Bus angetackert. Der Geradeauslauf ist spektakulär, lediglich die Lenkung könnte ein wenig leichtgängiger sein. Möglich, dass das auch der Tatsache geschuldet ist, dass sich der Dieseltank vor der Vorderachse befindet. Voll wiegt der immerhin eine gute halbe Tonne. Dem Handling tut das jedoch keinen Abbruch. Die Pylonengasse war erstaunlich einfach zu durchfahren. Wer den Achsabstand beachtet, kommt gut durch. Das gilt übrigens auch für Kurven oder bei Abbiegemanövern. Das ist aber auch kein Wunder, schließlich muss sich jedes Fahrzeug in einem gesetzlich definierten Rahmen bewegen können. Was auf jeden Fall hilfreich ist, wenn es eng wird bzw. wirkt, ist eine gute Rundumsicht. Und die ist beim S 519 HD auf jeden Fall gegeben. Die Außenspiegel bieten ein gewohnt gutes Abbild. Zusätzlich gibt es serienmäßig links und rechts Rampenspiegel, so lässt sich auch der letzte Zentimeter gut nutzen. Sie sollten jetzt Ihr Smartphone auf den QR-Code hier halten, dann sehen Sie sofort, wie mit guter Spiegelsicht auch enge Abbiegemanöver souverän gemeistert werden können. Eine gute Figur machte der Bus auch auf der Lkw-Kreisbahn. Bis knapp Tempo 40 ließ sich das Fahrzeug auf der nassen Fläche beschleunigen, dann begann die ESP-Regelung. Durch gezielte Motor-Steuerung hält der Bus eine konstante Geschwindigkeit. Was auffällt, ist die Schräglage bei dieser Geschwindigkeit. Dennoch kann die Federungsabstimmung als gelungen bezeichnet werden.


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