07.04.2017Das volle Programm

Setra, S 511 HD, BUSFahrer-Supertest

Seit etwas über einem Jahr hat Setra mit dem S 511 HD nun auch einen 10,5 Meter kurzen Reisehochdecker im Programm. Im BUSFahrer-Supertest macht der große Kleine eine gute Figur.

Länge läuft. Diese Binsenweisheit ist bekannt und sagt doch nur die Hälfte. Denn sie bezieht sich ausschließlich auf das Fahrverhalten von Fahrzeugen mit einem langen Radstand. Je länger, desto ruhiger. Umso mehr ist es eine echte Herausforderung für jeden Bushersteller, der sich auch am kurzen Segment versucht. Denn die großen Kleinen haben unbestreitbare Vorteile. Eine Wendigkeit, die unerreicht ist, sowie ein Raumgefühl, das an jenes von Großraumlimousinen erinnert und damit Kunden anspricht, die das Besondere, Individuelle suchen.

Seit etwas über einem Jahr hat nun auch Setra wieder einen Bus im Programm, das mit dem Auslaufen der Baureihe 400 unvollständig blieb. Basierte der S 411 HD noch auf der TopClass, nimmt Setra heute, beim S 511 HD, die ComfortClass als Grundlage. Das ist keine schlechte Entscheidung, denn die Busse dieser Baureihe haben sich längst als hochwertige, praxistaugliche Reisebusse etablieren können. Mit dem S 511 HD zeigt der Hersteller, dass er auch auf wenig Raum eine Menge unterbringen kann. Größter Unterschied ist der Bereich zwischen den Achsen. Zwei statt drei Kofferraumklappen ergeben einen Radstand von knapp über fünf Metern statt knapp über sechs Metern. Der Überhang vorn wurde ebenfalls erheblich gekürzt. Er beträgt gerade mal 2,26 Meter. Damit entfällt vorne rechts der Platz für den Dieseltank. Dieser und auch der Tank für AdBlue sitzen nun links vorn hinter der Vorderachse, woraus sich eine nun nur noch auf einer Seite befindliche Tankklappe ergibt. Dafür aber sitzen die Einfüllstutzen für Diesel und AdBlue direkt nebeneinander hinter ein und derselben Klappe.

Das Ganze geht natürlich zulasten des Kofferraumvolumens, doch mit 7,5 Kubikmetern ist es beim Testbus immer noch ordentlich. Das gilt jedoch nur, wenn wie gefahren ein Heckeinstieg verbaut ist, ansonsten reduziert sich das Volumen noch einmal um einen Kubikmeter. Also lieber gleich immer auf Hecktür setzen? Leider ist es wie so oft im Leben: Das eine bekommen, ohne auf das andere zu verzichten, ist nicht drin. Denn Heckeinstieg bedeutet Verzicht auf Sitzplätze. Drei bei 3-Sterne-Bestuhlung, um genau zu sein. Doch die dann noch erhältlichen 38 Sitzplätze sind für einen Bus mit einer Länge von 10,65 Metern immer noch sehr ordentlich und sowieso sollte man seinen Fahrgästen – wennschon, dennschon – den vollen Luxus gönnen und das ist eine 5-Sterne Ausstattung mit 30 (32 bei Mitteleinstieg) Sitzplätzen. Auch der hintere Überhang wurde verkürzt, jedoch nur um etwa 30 Zentimeter im Vergleich zum 12-Meter-Wagen. Insgesamt ergibt sich dadurch eine Wendigkeit, die durch die Zahl 17,46 Meter recht deutlich beschrieben wird. Oder leicht überzeichnet geschrieben: Die Spitzkehre muss erst noch erfunden werden, die dieser Bus nicht meistert. Spitzkehren befinden sich ja meist in den Bergen mit entsprechender Steigung. Und hier gilt: Leistung ist durch nichts zu ersetzen, außer durch noch mehr Leistung. Im Gegensatz zu seinem Konzern-Geschwisterkind, dem Mercedes-Benz Tourimso K, muss der S 511 HD nicht mit dem sehr kleinen OM 936 Vorlieb nehmen. Ihm wird der deutlich agilere OM 470 mit einem Hubraum von 10,6 Litern gegönnt. Knapp 400 Pferdestärken, deren maximales Drehmoment von immerhin 1.900 Newtonmetern bereits bei 1.100 U/min anliegt, treiben den Bus mit einem Testgewicht von über 15 Tonnen zügig jede Bergstraße hoch.

Dabei hält sich auch der Kraftstoffverbrauch im Rahmen, denn die gemessenen 35 Liter Durchschnittsverbrauch sind im Rahmen des Supertests eher im unteren Bereich anzusiedeln. Apropos Kraftstoffverbrauch: 24,39 Liter gönnte sich der S 511 HD durchschnittlich. Das ist zwar kein Spitzenwert, geht aber immer noch in Ordnung. Besonders auf glatten Autobahnetappen werden schon mal Werte von unter 17 Litern Durchschnittsverbrauch erzielt. Hier spielen natürlich mehrere Faktoren eine Rolle wie beispielsweise das Wetter, aber eben auch die Achsuntersetzung, die beim Testbus einen Wert von i=3,583 besaß. In Verbindung mit dem automatisierten 8-Gang Powershift-Getriebe GO 250-8 ergibt das eine günstige Kraftstrang-Kombination. Dass ausreichend Leistung zur Verfügung stand, spürte man auch daran, dass das Getriebe auch an Steigungen erst spät herunterschalten musste.





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