27.05.2022Konflikte mal ganz anders lösen: 5 Tipps für Mutige

Konflikte im Außen sind Konflikte im Inneren. Sie können sich auflösen - wenn man weiß, wie man das erlaubt.

Eins muss man zugeben: Busfahrer sind Meister der Konfliktlösung. Zumindest im Job und in Bezug auf Fahrgäste, die sie mit großer Wahrscheinlichkeit nie wiedersehen. Und doch zwischen Fahrer wie Unternehmer schwelen oft ungelöste Konflikte. Wie schafft man solche aus der Welt, vor allem so, dass sie nicht wiederkommen? 5 Tipps, um Konflikte anders zu lösen.

Die gute Nachricht: im Grunde ganz einfach. Die schlechte Nachricht: nicht auf einmal und nicht über Nacht. Und nicht durch „ruhig“ bleiben“, „atmen“, „ignorieren“ oder „immer freundlich sein“ und „lächeln“. Denn spätestens dann, wenn ein Krampf die Wangen verzieht, wird einem klar: auch Ratschläge können Schläge sein. 

Es gibt eine Menge Strategien, die helfen sollen, die Unbilden des Alltags zu umschiffen, anstatt sich davon mitreißen oder herunterziehen zu lassen.

5 Tipps, um Konflikte anders zu lösen

Wer über den Umgang mit Emotionen hinausgehen und sich und andere noch besser verstehen will, kann sich mit ein paar Fragen auf die richtige Spur beim Lösen von Konflikten bringen. Es ist nicht nötig, sich diese Fragen in einer Diskussion oder Auseinandersetzung zu stellen, danach ist völlig ausreichend. Der andere „Streitbeteiligte“ muss auch nicht dabei sein (das kann bisweilen sogar kontraproduktiv sein). Folgende Fragen sollte man sich stellen:

  1. Ist das, was ich fühle, angenehm oder unangenehm?

    Wenn es unangenehm ist, zeigt das an, dass man in der Situation etwas, das man braucht oder gern hätte, nicht bekommt bzw. nicht bekommen hat.


  2. Worin genau besteht das, was ich bräuchte/gebraucht hätte – und nicht bekomme/nicht bekommen habe?

    Man muss hier ein bisschen in sich hineinhorchen, denn das ist sehr individuell. Es kann Sicherheit sein, Zuwendung, Zuhören oder Aufmerksamkeit, Gerechtigkeit oder Wertschätzung, Ruhe, Entspannung u.ä. Wenn einem nicht gleich etwas einfällt, lohnt es sich, länger darüber nachzudenken. Denn wer weiß, worum es ihm eigentlich geht, hat gegenüber anderen ein bessere Verhandlungsposition – und wird feststellen, dass er für vieles „die Anderen“ gar nicht braucht. Weil er sich vieles selbst geben kann. In Sachen Wertschätzung wird man das beispielsweise oft feststellen. Auch, wenn der Partner scheinbar nie zufrieden ist, ist es sehr wahrscheinlich, dass man sich eingestehen darf, tatsächlich stets das Beste zu tun, was man in der jeweiligen Situation tun kann. Vielleicht reicht das für den anderen nicht – es ist dann aber seine Aufgabe, zu schauen, warum das so ist und wie er das ändern kann.

  3. Woran erinnert mich die Konflikt-Situation?
    Wann habe ich mich schon einmal so gefühlt, wie in dieser Situation?
    Welches ist meine älteste/früheste Erinnerung an eine Situation, in der ich schon einmal so gefühlt habe?

    Die letzte Frage in diesem Komplex ist die wichtigste. Denn die Antwort gibt einen Hinweis auf die Körpererinnerung. Es kann sein, dass objektiv betrachtet nichts Lebensbedrohliches an dieser Situation war – schon gar nicht aus der Sicht eines Erwachsenen. Da wir „damals“ aber noch nicht erwachsen waren, haben wir die Situation ziemlich wahrscheinlich anders wahrgenommen. Und nur auf diese Wahrnehmung kommt es an.

    Es gilt dann, herauszufinden, was wir damals gebraucht und nicht oder nicht vollständig bekommen haben. Wer sich darauf einlässt, muss mit sich selbst sehr empathisch sein. Es bringt nichts, sich selbst zu erzählen, wie dumm man damals war. Eine (weitere) Verurteilung ist nicht, was das „innere Kind“ braucht. Es muss (endlich) gesehen werden und zwar in seiner damaligen Wahrnehmung, mit allem, was dazu gehörte. Was es auch ist.

    Es kann sein, dass es dem einen oder anderen nicht ganz leichtfällt, für sich selbst Mitgefühl aufzubringen. Oder sich einzugestehen, dass Menschen, denen man vieles verdankt, in mancherlei Hinsicht auch Mist gebaut haben. Aber das ist ok. Das darf sein. Genau das ist menschlich. Es kann helfen, sich dem eigenen „inneren Kind“ zuzuwenden, indem man sich vorstellt, dieses „innere“ Kind sei ein „echtes“ Kind. Wenn dieses „echte“ Kind heute vor uns stünde mit seinem Problem und seiner Wahrnehmung – was könnte sein Problem kleiner werden oder verschwinden lassen?

    In dieser Antwort liegt der Schlüssel zu unserem jetzigen Problem im aktuellen Konflikt.

  4. Was ist zu tun?

    Oft genug: nichts. Oft genügt es schon, schlicht und ergreifend zu wissen, was einem gefehlt hat, dieses Fehlen im Hier und Jetzt zu erkennen und ehrlich und wahrhaftig mit dem „inneren Kind“ mitzufühlen, also bewusst nachzuvollziehen, wie „das“ damals in seiner Wahrnehmungwar. Wer das ein paar Mal gemacht hat (je mehr „unschöne“ Situationen wir erleben, desto mehr Körpererinnerungen melden sich, damit wir sie aus unserem „System“ entlassen können), wird feststellen, dass sich Auslöser zunächst abschwächen und sich dann verabschieden. Der Witz ist, dass uns dann zwar noch immer dieselben Situationen begegnen – wir aber nicht mehr darauf reagieren. Schon gar nicht mit heftigen Emotionen, Gedankenkarussellen oder „mieser Laune“. Gerade in Beziehungen und Freundschaften kann das viel Erleichterung mit sich bringen – und jede Menge Konfliktpotenzial einfach auflösen.

  5. Wofür war es gut?

    Manchmal bleibt ein kleiner „Stachel im Fleisch“, der bewirkt, dass man – in aller Stille und Heimlichkeit – ein bisschen nachtragend ist. Sich fragt „warum musste der …“, „warum hat die bloß …“. Wenn das passiert, lohnt es sich, sich zu fragen „wofür war es gut?“. Und dann wird man so viel wertvolle Erkenntnis aufzählen können, dass man dem „miesen Streithammel“, der einen „getriggert“ hat, nur noch dankbar ist. Egal, was der sich geleistet hat. Um „Vergebung“ braucht man sich an diesem Punkt dann auch nicht mehr bemühen – denn auch das geschieht dann von ganz allein. (juf)




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