18.02.2021Fünf Mythen über Alkohol: Was ist dran?

Alkohol ist kein guter "Schlummertrunk". Man schläft vielleicht schneller ein, doch die Schlafqualität leidet spätestens in der zweiten Nachthälfte

„Bier auf Wein, das lass sein!", "Alkohol verdunstet beim Kochen" und "Schnaps kurbelt die Verdauung an": Rund um das Thema Alkohol ranken sich viele Mythen. Doch was stimmt eigentlich und was nicht?

Eine Vielzahl von Binsenweisheiten rund um das Thema Alkohol halten sich hartnäckig und werden gern zum Besten gegeben, um andere zum Trinken zu animieren  oder den den eigenen Alkoholkonsum zu verharmlosen oder zu rechtfertigen. Die Stiftung Gesundheitswissen räumt auf Basis der zur Verfügung stehenden Studienlage mit den Mythen auf und verrät, was stimmt und was nicht.

Mathyos I –  Schnaps kurbelt die Verdauung an 

Studiencheck: Ein deftiges Essen bietet immer auch den Anlass für einen Schnaps. Dieser fördere schließlich die Verdauung, sagt man. Aber was sagen die Studien zu diesem Mythos: In einer randomisiert-kontrollierten Studie wurde verglichen, wie verschiedene Getränke die Entleerung des Magens beeinflussen. Dabei wurde beobachtet, wie sich das Trinken von Wein, schwarzem Tee oder Schnaps nach einer deftigen Mahlzeit auswirkt. Die Ergebnisse zeigen, dass höhere Mengen an Alkohol die Entleerung des Magens verlangsamen, anstatt sie zu fördern. Möglicherweise verschafft Schnaps kurzzeitig ein angenehmes Gefühl, da er das Völlegefühl betäubt. Laut dieser Studie wird die Verdauung durch Alkohol jedoch eher gebremst.

Mythos II – Macht Alkohol dumm?

Studiencheck: Alkoholkonsum schädigt das Gehirn. Das ist einer der gängigsten Mythen, die man dem Alkohol zuschreibt. Was sagen Studien zu dem Mythos? Die Ergebnisse verschiedener Beobachtungsstudien legen einen Zusammenhang nahe, etwa zwischen hohem Alkoholkonsum und Veränderungen im Gehirn, wie einem Schwund der Gewebemasse. Schädigungen am Gehirn können bei hohem und dauerhaftem Alkoholkonsum auch bei einer MRT-Untersuchung erkennbar sein. Ob jedoch der Alkoholkonsum tatsächlich der Grund für die Gehirnveränderungen ist, kann man nicht mit voller Sicherheit sagen. Die Studien stellen lediglich fest, dass diese Veränderungen und ein hoher Alkoholkonsum gleichzeitig vorliegen.

Mythos III – Alkohol verdunstet beim Kochen

Studiencheck: Alkohol kocht bei niedrigerer Temperatur als Wasser. Man dachte deshalb, dass Alkohol beim Kochen verdunstet. 1992 wurde jedoch in einem Experiment widerlegt, dass der gesamte Alkohol verdunstet. Je nach Rezept verblieben vier bis 85 Prozent im Essen. Die unterschiedlichen Prozentzahlen des verbliebenen Alkohols waren nicht nur von der Kochtemperatur abhängig. Auch andere Bedingungen, wie zum Beispiel die weiteren Zutaten oder das Kochgefäß, haben den verbliebenen Alkoholgehalt beeinflusst.

Mythos IV - "Bier auf Wein, das lass sein – Wein auf Bier, das rate ich dir"

Studiencheck: Ein gern gesagter Spruch, wenn man auf Feiern sein Getränk wechselt. Doch inwieweit haben die Art und Reihenfolge des Konsums bestimmter alkoholischer Getränke Einfluss auf einen möglichen Kater? Das Ergebnis ist laut Stiftung Gesundheitswissen simpel – der Volksmund irrt. Zumindest bei Lagerbier und Weißwein – hier macht die Reihenfolge keinen Unterschied.
Zu dem Ergebnis kam eine randomisiert-kontrollierte Studie aus Deutschland. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass weder die Art noch die Reihenfolge dieser beiden alkoholischen Getränke die Stärke des Katers beeinflussten.
Doch Achtung: Die Ergebnisse können nicht für alle alkoholischen Getränke verallgemeinert werden. Man vermutet, dass sich der Ursprung des Mythos historisch erklären lässt: Denn früher konnten sich arme Menschen nur Bier leisten. Wer aber gesellschaftlich aufstieg, konnte sich unter Umständen auch Wein gönnen. Wein auf Bier war also erstrebenswert. Umgekehrt wohl eher nicht. 

Mythos V: Alkohol hilft bei Schlafstörungen

Studiencheck: Nein, ganz im Gegenteil, sagt die Stiftung Gesundheitswissen: Alkoholkonsum kann Schlafstörungen sogar begünstigen, wie Beobachtungsstudien gezeigt hätten. Alkohol im Sinne eines "Schlummertrunks" eignet sich daher nicht als Einschlafhilfe. Zwar kann er unter Umständen zunächst eine beruhigende Wirkung ausüben, sodass man schneller einschläft. Sie dreht sich jedoch durch den Abbau des Alkohols nach wenigen Stunden um. In der zweiten Nachthälfte kann es zu Schlafproblemen wie unruhigem oder oberflächlichem Schlaf kommen. Es kann auch passieren, dass der Schlaf häufiger unterbrochen wird. (mp)





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