06.05.2022Elektrobusse: Verkehrslärm mit Köpfchen

Gibt es bald einen Sound-Standard für Elektrobusse in Deutschland? Der VDV und seine Partner arbeiten an einem entsprechenden Projekt

Elektrofahrzeuge sind leise – bisweilen gefährlich leise. Gemäß EU-Norm müssen sie daher aus Sicherheitsgründen hörbar auf sich aufmerksam machen. Aber wie? Mit einem Röhren aus der Dose? Einem Tuten? Geklingel?

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat sich darüber Gedanken gemacht – und in Zusammenarbeit mit dem FOAM Institute Berlin einen Studenten-Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem Ideen für Deutschlands E Bus-Sound der Zukunft eingereicht werden sollten. Nun steht der Sieger fest: Lukas Esser von der Universität der Künste Berlin. „Sein Siegersound steht erstklassig für die anvisierte akustische Identität für den E-Bus, die durch Attribute wie einzigartig, umweltfreundlich und modern gekennzeichnet ist“, so Professor Sebastian Waschulewski vom FOAM Institut, einem der Partner des VDV im Projekt. „Der Gewinner des Wettbewerbs hat die anvisierte Identität für den E-Bus optimal getroffen!“ Nächstes Ziel ist nun die Weiterentwicklung des Sounds zu einem akustischen Industriestandard für Elektrobusse in Deutschland.

Geräusche können mehr

Erste Fahrzeuggeräusch-Generatoren – AVAS – werden für Elektrofahrzeuge bereits angeboten. Ein Standard fehlt aber bislang. Ob man einen solchen braucht, mag mancher diskutieren, ganz abwegig erscheint die Idee jedoch nicht. Jeder Vogel hat seinen spezifischen Sound, eine Art akustische Signatur sozusagen. Und Menschen empfinden das als angenehm. Die akustische Signatur von Fahrzeugen lässt da gewaltig zu wünschen übrig. Und dem unterschwelligen Sicherheitsbedürfnis gerade der „schwächeren“, nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmer kann durchaus entgegengekommen werden, wenn bereits am Klang zu erkennen ist, ob sich von hinten oder von der Seite gerade ein E-Bike oder ein Bus nähert, anfährt oder stoppt.

Geräusche lösen Emotionen aus, die Verhalten steuern. Und Geräusche, die Klarheit und Sicherheit geben begründen besonneneres Verhalten als Geräusche – und „Nicht-Geräusche“ die überraschen, erschrecken oder je nach Situation sogar Angstreaktionen hervorrufen. Deshalb suchte man bereits im Wettbewerb nach Lösungen, die von den Menschen, die dem Sound im verkehrlichen Umfeld als angenehm, modern und funktional empfunden werden. „Uns war dabei wichtig, möglichst viele Interessengruppen, wie Fahrgast-, Verkehrs-, Sehbehinderten- und Umweltverbände sowie Bundes- und Landesverkehrsministerien von Anfang an mit einzubeziehen“, sagt Werner Overkamp, Vizepräsident des VDV. „Alle diese die Gruppen definierten daher nicht nur die Gestaltungsideen des künftigen Standards, sondern kürten innerhalb einer Jury letztlich auch die Siegeridee beim anschließenden Wettbewerb unter den Audio- und Akustik-Studenten, die sich an der Ausschreibung beteiligt hatten.“

Verkehrslärm war gestern

„Die Siegeridee von Lukas Esser entwickeln wir nun mit ihm zusammen professionell weiter“, sagt Sebastian Waschulewski. Dabei geht es auch darum, den besagten Standard-Sound zu etablieren. „Die E-Bus-Hersteller sind beim Sound Design noch nicht intensiv tätig geworden, um eine branchenspezifischen, verkehrssicheren sowie angenehmen Sound zu entwickeln.“ Fahrgeräusche gemäß EU-Verordnung Die EU hatte für alle Elektrofahrzeuge mit einer Typgenehmigung ab September 2019 und Neufahrzeuge ab Juli 2021 ein AVAS (Acoustic Vehicle Alerting System) vorgeschrieben. Diese Vorgabe wurde im Laufe der Folgejahre weiterentwickelt. Die so genannte ECE 138 leistet dabei eine detailliertere Ausgestaltung der geforderten Fahrzeuggeräusche. Diese Anforderungen gelten auch für den neuen E-Bus-Sound.

Rudi Kuchta vom VDV-Industrieforum und Senior Vice President MAN Truck & Bus: „Es geht um unsere Stadtgesundheit, es geht um Sicherheit und ein zeitgemäßes Fahrerlebnis. Die Arbeit geht nun richtig los: Neben den akustischen Feinarbeiten muss nun auch die Fahrzeug-Hardware geprüft und abgeglichen werden. Für die Hersteller und Entwickler bleibt noch einiger Spielraum, wie sie den Sound im Alltag optimal einsetzen, in Abhängigkeit von Ort, Region, Geschwindigkeit und Betriebssituation.“ (juf)





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