27.03.2015Die kleinen Helfer

Tausende Gesundheits-Apps bieten Services aller Art. Was sie können und worauf Sie achten sollten.

Wann ist Ihre nächste Gesundheitsuntersuchung fällig? Welche Apotheke hat geöffnet? Wie viele Kalorien sollten Sie heute noch zu sich nehmen? Wenn Sie das wissen wollen, befragen Sie einfach Ihr Handy. ­Sagenhafte 80.000 bis 100.000 Apps existieren weltweit in den Kate­gorien Gesundheit/Fitness und Medizin. Pro Monat kommen 1.000 neue hinzu.
Doch was bieten diese Anwendungen? Was ist Spielerei und was bringt einen praktischen Nutzen für die Gesundheit? Um das herauszufinden, ist es wichtig zu unterscheiden zwischen Gesundheits-Apps („Healthsoftware") und medizinischen Apps („medical apps").

Von einer Gesundheits-App kann man grundsätzliche Informationen und Tipps/Coaching erwarten, zum Beispiel zur Ernährung (Diät-Tipps, Kalorienzähler, Rezepte), zu Bewegung/Fitness (Schrittzähler, Yoga, Rückentraining) oder zur Vorsorge (Pollen-App, Zahnhygiene, UV-Strahlen-Rechner). Hilfreich sind die integrierten Management-Funktionen: Impferinnerung, persönliches Ärzte­verzeichnis, Aufforderungen, sich mehr zu bewegen.
Medizinische Anwendungen dagegen dienen zum Beispiel der Diagnostik und Therapie von Erkrankungen und werden teils für medizinische Fachkräfte entwickelt – etwa zur Wundbehandlung oder auch zur Labordatenverwaltung. Mittels Adaptern werden mobile Endgeräte zum Diagnose­gerät und messen und speichern die Körpertemperatur, den Pulsschlag oder den Blutzuckerspiegel.

Die meisten App-Anbieter stammen aus den USA. Hier standen Entwicklern viele Jahre lang Tür und Tor offen, erst 2013 stufte die Überwachungsbehör­de FDA (Food and Drug Administration) etliche Apps als Medizin­produkte ein. In Deutschland gilt: Apps, die medizinische Befunde ermöglichen, sind Medizinprodukte, sie fallen unter Paragraf 3 des Medizinproduktgesetzes, wenn sie der „Erkennung, Verhütung, Überwachung, Behandlung oder Linderung von Krankheiten oder Verletzungen" dienen. Sie müssen EU-Richtlinien-geprüft sein und die CE-Kennzeichnung tragen. Was Sie von einer App erwarten können (oder befürchten müssen), ist  nicht immer gleich klar. Nur bedingt aussagekräftig ist die Sternebewertung der Shops – die Meinungen der User sind immer geteilt. Im Gesundheitsbereich ist es aber wichtig, eine App vor dem Download auf den Prüfstand zu stellen.

Verschiedene Organisationen sind hier behilflich. Etwa die Qualitäts-/Bewertungsplattform „AppCheck". Sie wird vom ZTG Zentrum für ­Telematik und Telemedizin GmbH entwickelt, das Gesundheitsministerium NRW fördert das Projekt. Auf der Seite www.gesundheits-apps.info gibt man Hinweise zur Nutzung und bewertet die Anwendungen zum Beispiel hinsichtlich

- Datenschutz: Welche Daten sind einzugeben, ist das notwendig? Wo werden sie ges­pei­chert, auf dem Smartphone/Tablet oder extern? An wen werden sie weitergegeben?

- Medizinische Sicherheit: Gibt es Warnhinweise? Sind die errechneten Werte plausibel? Weichen sie von denen ab, die der Arzt misst?

- Vertrauenswürdigkeit: Wer ist der Herausgeber? Ein medizinisches/wissenschaftliches Institut, eine Krankenkasse, ein Pharma-Un­­ternehmen oder IT-Systemhaus?

- Verständlichkeit: Sind Ratschläge verständlich und plausibel? Wurden die Texte aus einer anderen Sprache fehlerfrei übersetzt?

- Funktionalität: Gibt es technische Schwächen, Programmierfehler, wie hoch ist der Akkuverbrauch?

Lohnend ist auch der Blick auf die Seite www.healthon.de – eine Datenbank mit über 150 Tests von Gesundheits-Apps. Die „Initiative Präventionspartner", ein unabhängiges Netzwerk zur Gesundheitsvorsorge und -aufklärung, betreibt sie, bewertet und testet Apps. Sie setzt auf freiwillige Selbstkontrolle: Wer als App-Anbieter den HealthOn-Ehrenkodex befolgt, verpflichtet sich zu besonderer Sorgfalt und Verantwortung. Der Verbraucher erkennt dies am HealthOn-App-Siegel.
Es ist zu empfehlen, vor jedem App-Download das Kleingedruckte anzuschauen. Man  braucht ein gesundes Maß an Misstrauen und sollte mit der Preisgabe persönlicher Daten knausern. Dann muss man auf Spaß und Nutzen der kleinen Helfer nicht verzichten. Sabine Köstler





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