16.03.2017Die Diesel-Alternative

Mercedes-Benz Citaro NGT

Wie modern beziehungsweise zeitgemäß sind heutzutage eigentlich Omnibusse, die mit Erdgas oder Biogas betrieben werden? Mercedes-Benz ist der Meinung, dass dieser Antrieb noch lange nicht zum alten Eisen gehört.

Zum ersten Mal in der Geschichte des BUSFahrer-Supertests kam ein mit einem Gasmotor angetriebener Bus nach Berlin. Natürlich ausgestattet mit modernster Verbrauchsmesstechnik und ausgeladen auf etwa 70 Prozent des maximal zulässigen Gesamtgewichtes. Warum ausgerechnet ein Gasbus in Zeiten, in denen es zumindest gefühlt nur noch um das Thema Elektrobusse geht? Nun – genau darum! Denn bis es tatsächlich so weit ist, bis in den Städten nur noch Elektrobusse verkehren, dürfte es allen Beschwörungen zum Trotz noch ein ganzes Weilchen dauern. Ladeinfrastruktur, Um- und Aufrüstung in den Verkehrsbetrieben, Versorgung mit Energie, Gewährleistung einer hohen Fahrzeugverfügbarkeit – all das gehört dazu und eben nicht nur der so wunderbar leise und vordergründig saubere Bus selbst.
Den Citaro NGT erkennt man äußerlich bereits auf den ersten Blick. Grund dafür ist die recht groß ausfallende Haube auf dem Dach. Darunter befindet sich die Gasversorgung in Form von sechs Flaschen. Das Fassungsvolumen von insgesamt rund 1.360 Litern sorgt für eine hohe Reichweite. In der Praxis soll der Citaro NGT die gleiche Reichweite wie ein Citaro mit Dieselmotor erzielen.

Der Test in Berlin konnte diese Aussage im Ansatz bestätigen, wenngleich die Teststrecke natürlich zu kurz für eine genaue Aussage ist. Aus Gründen der Gewichtsverteilung sind die Gasflaschen beim Solobus über der Vorderachse und beim Gelenkbus über der mittleren Achse angeordnet. Die Abdeckung besteht aus dem Kunststoff Polyurethan mit einem innen montierten Aluminiumrahmen. Sie ist über ein Schienensystem auf dem Dach befestigt, verfügt über seitliche Serviceklappen und ist zusätzlich komplett aufschwenkbar. 

Unter der Abdeckung befinden sich neu entwickelte Gasflaschen. Sie bestehen aus einem Compositmaterial mit Kunststoffkern, einer Ummantelung aus Kohlefasern sowie zusätzlich aus Glasfasern. Diese Werkstoffkombination ist leicht und hoch­stabil. Gleichzeitig wurde das Tankvolumen der Gasflaschen in der neuen Generation von jeweils 190 auf 227 Liter erhöht. Vorteil: Bei gleichem Gesamtvolumen kann deshalb die Zahl der Behälter reduziert werden. Im Vergleich zum Vorgängermodell kommt der Citaro NGT bei unveränderter Reichweite daher jeweils mit einer Gasflasche weniger aus. Daraus resultiert ein Gewichtsvorteil von 15 bis 45 Kilogramm, abhängig von der Zahl der Gasflaschen. Das vor allem durch die Gasflaschen verursachte Mehrgewicht eines Gasbusses wird im Vergleich zum Vorgänger-Citaro reduziert. Es beläuft sich bei einem Solowagen auf nun rund 485 Kilogramm.


Neben der neuen Flaschen-Aufdachanlage ist dafür auch der kompaktere Motor verantwortlich. Aufgrund der Gewichtsersparnis steigt die Fahrgastkapazität des NGT im Vergleich zum Vorgängermodell ein wenig an. In Serienausstattung befördert der Solobus nun bis zu 96 statt bisher 93 Passagiere. Der Gelenkbus Citaro G NGT nimmt maximal 153 statt bislang 149 Fahrgäste auf. Betankt wird der Bus über einen Anschluss im Motorraum, optional gibt es eine Tankklappe in der Motorraumklappe. Auf Wunsch wechselt der Einfüllstutzen über den Radlauf vorne rechts.


Das Highlight des Citaro NGT ist natürlich sein neuer Gasmotor. Er basiert auf dem Dieselmotor OM 936. Der M 936 G wiegt mit einem Gewicht von 747 Kilogramm einschließlich Vorkatalysator rund 230 Kilogramm oder knapp 25 Prozent weniger als das Vorgängertriebwerk mit 12,0 l Hubvolumen. Der stehend eingebaute Reihensechszylinder wird als monovalenter Motor mit komprimiertem Erdgas betrieben (CNG = Compressed Natural Gas).





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