21.11.2019Bereit für die Wende

Endlich wird der neue MAN Lion’s City in Serie produziert und findet seinen Weg in immer mehr Städte. Jetzt hat er sich dem harten Supertest vom BUSFahrer gestellt. Das Ergebnis überzeugt.

Dieser Bus wirkt einladend. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Dafür sorgen nämlich LED-Lichtbänder an den vertikalen Längsseiten der Türeninnenkanten, die beim Öffnen der Türen in hellem Grün erstrahlen. „Willkommen an Bord – hier bitte einsteigen“, das ist die Botschaft, die von dieser Art der Signalisierung ausgeht. Wenn der Fahrer anschließend die Türen schließt, ändert sich die Lichtfarbe in ein blinkendes Rot. Genau solche einfachen, aber wirkungsvollen Dinge sind es, die zu einem modernen öffentlichen Personennahverkehr gehören. Segmentierte Seitenwände heißt das Zauberwort, mit welchem MAN Kosten in der Produktion und bei eventuellen Reparaturen sparen will. Der untere Bereich besteht aus Kunststoff-Paneelen, die sich per Schnellverschluss zügig wechseln lassen. Gerade im unteren Bereich sind Rempler in der Stadt keine Seltenheit.

Direkt darüber geht es mit Glas-Paneelen weiter. Die sorgen auf der einen Seite für eine coole Optik, auf der anderen Seite dienen sie einer höheren Stabilität. Sie gehören untrennbar zum selbsttragenden Konzept des Lion’s City. Weiterer Vorteil: Kommt es in diesem Bereich zu Streifberührungen mit Gegenständen oder Fahrzeugen, ist nicht gleich mit Kratzern zu rechnen – Glas ist hart.

Erst dann schließen sich die konventionellen Seitenscheiben an, die bis kurz unter die Dachrandverkleidung reichen. Das Ergebnis ist eine ausgezeichnete Aussicht für die Passagiere. Die Dachrandverkleidung gehört übrigens auch beim normalen Dieselbus ohne Dachaufbauten zum Designkonzept, welches grundsätzlich von scharfen, modernen Kanten dominiert wird. Neu und leichter als bei der bisherigen Generation ist die Motorraumklappe.

Überhaupt wurde bei der Neukonstruktion des Busses darauf geachtet, bereits im Rohbau moderne, hochfeste Verbindungen des Gerippes zu verwenden: Das erhöht die Gesamtsteifigkeit und verringert das Gewicht. Das Leergewicht des Testbusses lag bei gemessenen 11.420 Kilogramm. Das ist ein sehr guter Wert. Getestet wurde dann mit einer 70-Prozent-Beladung, also mit 15.800 Kilogramm, zu denen noch Fahrer und zwei Begleiter kamen. Die Teststrecke in Berlin ist äußerst anspruchsvoll und nichts für Spritspar-Fetischisten. Selbst der härteste SORT-Zyklus, nämlich SORT 1, erreicht nicht die hohen Verbrauchswerte, die im Berliner Zentrum erfahren werden. 

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Leser an den atemberaubend hohen Verbrauch des MAN Lion’s City Euro 6 von 2016: Der lag im Durchschnitt bei 48 Litern auf 100 Kilometer. Doch nun ist ein Generationen-Wechsel erfolgt, und der Lion’s City 2019 hat mit dem von 2016 nur noch eines gemeinsam: den Namen. Neben dem Design hat nämlich auch ein neuer Antrieb Einzug gehalten. Der D-15-Motor schiebt den Bus zu jeder Zeit souverän nach vorn. Auch beladen quält sich der Bus zu keiner Zeit und in keiner Situation, er kommt stets zügig vom Fleck. Der Verbrauch in Berlin mit nun nur noch 42 Litern auf 100 Kilometer ist ein Statement, welches für sich spricht. Es gibt sicherlich viele Gründe, weshalb der aktuelle Bus nun in einem endlich moderaten Verbrauchsfenster unterwegs ist, einer trägt die Abkürzung KSG, was so viel wie Kurbelwellenstartergenerator bedeutet.





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