12.03.2018Auf zu neuen Ufern

Mercedes-Benz, Tourismo

Zum ersten Mal konnte der BUSFahrer den neuen Mercedes-Benz Tourismo auf der Straße kennenlernen. Gleich mehrere Tage und Nächte musste sich der Stückzahlenbringer beweisen. Hier ein Fahrbericht.

Die neue Tourismo-Familie ist rundherum gelungen. So viel moderne und sinnvolle Technik, verbaut in einem Bus, der kompromisslos auf Wirtschaftlichkeit getrimmt ist, findet man selten. Natürlich, in der Basiskonfiguration fehlen zahlreiche Ausstattungen, entsprechend hoch dürfte die Aufpreisliste ausfallen. Aber abgesehen vom schon bekannten Abstandsregel-Tempomaten, von ABA 4 und Xenon-Licht ist im Grundfahrzeug in Sachen Sicherheit alles enthalten. Die Wahl des Basis-Cockpits sollte gut überlegt werden, die Comfort-Plus-Variante bietet doch wesentlich mehr in Sachen Komfort und Ergonomie. So unscheinbar der Tourismo auf denersten Blick erscheint, so gewaltig ist sein Potenzial!

Mercedes-Benz hat eingeladen. Zum ersten Mal hat die Fachpresse die Möglichkeit, den neuen Tourismo ausführlich kennenzulernen. Der Testredakteur des BUSFahrer nutzte zusätzlich die Gelegenheit, das Fahrzeug im Rahmen einer Überführung vom kroatischen Split nach München auch in der Nacht und bei schlechten Wetterbedingungen zu erleben. Und das waren sie, die gefahrenen Busse: Mit vier Modellen in drei Längen (Zwei- und Dreiachser) von 12,3 m bis 14,0 m deckt der Hochdecker nahezu alle Ansprüche ab. Im Heck arbeitet entweder der OM 936 mit einem Hubraum von 7,7 Litern und einem maximalen Drehmoment von 1.400 Nm oder der große OM 470 mit einem Hubraum von 10,6 Litern und 2.100 bzw. 2.200 Nm beim längsten Tourismo RHD L. Serienmäßig wird der Tourismo in Deutschland mit dem hauseigenen manuellen Schaltgetriebe angeboten; darüber hinaus gibt es das automatisierte Schaltgetriebe Powershift GO 250-8. Doch genug der technischen Daten, los geht‘s mit der Fahrt.

Kroatien zählt schon seit Jahren zu den angesagten Busreise-Zielen. Darauf haben sich auch längst Hotels und die touristischen Hotspots eingerichtet. Gelegentlich wird es beim Parken am Hotel ein wenig eng, und zahlreiche Passstraßen erfordern ein Mindestmaß an Fahrzeugbeherrschung. Gut, wenn man dann ein Fahrzeug führt, welches sich in Sachen Übersichtlichkeit keine Schwächen leistet. So wie der Tourismo. Der Fahrerarbeitsplatz ist vorbildlich eingerichtet, sämtliche der zu Bediengruppen zusamme gefassten Schalter sind gut einseh- und erreichbar. So kennt man das bereits von den Setra-Bussen der 500er-Reihe. Das Multimediacenter bietet ein hohes Maß an Funktionalität, auch wenn es nicht ganz an die moderne Bedienerfreundlichkeit beispielsweise der neuesten Neoplan-Reisebusgeneration heranreicht. So ist das Abspielen eigener, auf dem Smartphone gespeicherter Musik immer noch eine kleine Herausforderung, und beim Navigationsgerät vermisst man die funktionelle Einfachheit moderner Touch Lösungen, wie sie beispielsweise von TomTom oder Google angeboten werden. Dafür aber ist der Fahrerarbeitsplatz kompromisslos auf die tägliche, teils harte und stressige Arbeit ausgerichtet, wozu nicht nur eine gute Ergonomie zählt (abgesehen von der viel zu tiefen Position des Radios beim Basis-Cockpit), sondern auch Faktoren wie die Lautstärke. Hier kann der neue Tourismo die volle Punktzahl einfahren.  

Denn der Bus wurde strömungstechnisch kompromisslos optimiert, was sich zum einen im sensationell guten Windwiderstandsbeiwert von cW = 0,33 niederschlägt und auf der anderen Seite unter anderem durch neu konstruierte Spiegelarme zu einer Halbierung der Innenraumlautstärke vorn um etwa 5 dbA führt, was effektiv der Halbierung der Lautstärke entspricht. Und ja, man hört es oder eben nicht. Die berüchtigten Fallwinde oberhalb von Zadar beispielsweise umtosen den Bus immer wieder, doch das Geräuschniveau bleibt niedrig. 

Aber vorerst zurück zum engen Hotelparkplatz. Beim Rangieren kommt es auf eine gute Übersichtlichkeit an. Dank beidseitiger, serienmäßig vorhandener Rampenspiegel, was im Übrigen einmalig unter den Bus herstellern sein dürfte, ist jeder Bereich vor dem Bus perfekt einsehbar. Hinten hilft eine sehr weit oben angebrachte Rückfahrkamera. Sollte es draußen dunkel sein, besitzt der Tourismo vor den Hinterrädern seitliche Strahler – eine durchaus praktische Angelegenheit. Wie nützlich Rückfahr-Helfer übrigens sind, merkt man erst, wenn sie komplett fehlen, so wie beim gefahrenen Grundmodell, dem Zwölf-Meter Tourismo mit dem kleinsten Motor. In solch einem direkten Vergleich bekommt man erst einmal mit, wie sehr Assistenten die Arbeit erleichtern. Die kroatische Küstenstraße ist für Touristen wie für Busfahrer gleichermaßen ein nie enden wollendes Schauspiel. Und so etwas lässt sich am besten genießen, wenn keine Unstimmigkeiten die Urlaubsfahrt beeinträchtigen. Das gilt auch für den Fahrgastraum. Der gefällt nämlich durch seine unaufgeregte, schlichte Eleganz. Bereits das Platznehmen auf den hauseigenen Sitzen mit gestepptem Rautenmuster-Sitzbezug ist eine optische und später auch komfortable Freude.





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