25.08.2011Touring: Der 1. Test

Endlich gibt es den Scania Touring auch in Deutschland zu kaufen. Seit er vor zwei Jahren in Kortrijk vorgestellt wurde, wird der Bus heiß erwartet. Wir sind ihn gefahren.

Äußerlich demonstriert der Scania Touring deutlich wie kein anderes Produkt vor ihm die Zugehörigkeit zur Scania-Familie. Die Front erinnert sehr stark an die Lkw-Range von Scania, entsprechend männlich markant kommt der Bus vorgefahren. Das Design basiert übrigens prinzipiell auf einem Higer-Fahrzeug, welches ein Scania-Design-Team um den Chef Kristofer Hansén weiterentwickelt hat. Entsprechend sieht man dem Bus in keinster Weise seine fernöstliche Herkunft an, ganz im Gegenteil, der Touring verkörpert Scania-Kraft vom Feinsten. Das gilt auch für das Heck. Lediglich die ein wenig lieblos aufs Dach gesetzte Klimaanlage verrät dem Fachmann die preissensible Strategie, die hinter diesem Bus steckt. Und genau die macht ja den Touring zu etwas ganz Besonderem. Knapp 240.000 Euro für einen knapp 14 Meter langen Dreiachser, dessen wichtige inneren Werte von einem namhaften Hersteller stammen, machen neugierig. Wo ist der Haken? Gibt es vielleicht gar keinen? Das wird unser Test klären.

Der erste Eindruck beim Betreten des Busses ist „nasaler“ Natur. Es riecht nämlich sehr streng nach Kunststoff. Da beschleicht den Tester ein leicht mulmiges Gefühl – hoffentlich sind die Dämpfe bald verschwunden. Der Innenraum selbst dann macht auf den ersten und auch auf den zweiten Blick einen völlig normalen, standardisierten Eindruck. Die Sitze sehen bequem aus – sie stammen aus chinesischer Fertigung – und bieten tatsächlich auch guten Seitenhalt für den Rücken. Schade ist nur, dass sich die Sitze nicht in den Mittelgang verrücken lassen. Platz genug wäre ja. Schade auch, dass es keine Tische an den Rücklehnen gibt – die sind bisher auch nicht vorgesehen. Lediglich ein Getränkehalter bietet Platz für den Kaffeebecher. Der Touring besitzt einen klassischen Mittelgang mit Podesten, ungewöhnlich ist aber, dass die Sitze nicht auf Schienen befestigt, sondern direkt im Boden verschraubt sind. Hat sich der Unternehmer bei der Bestellung einmal auf ein Sitzraster festgelegt, war’s das. Griffe an den Sitzlehnen sind übrigens ebenfalls Fehlanzeige, den Bus auch im Überland-Linienverkehr einzusetzen, wird schwierig. Das Bord-WC ist serienmäßig, die Küche aber nicht. Wer sie haben möchte, hat nur die Möglichkeit, eine Mini-Küche von TM zu bekommen. Hierbei teilen sich ein von oben befüllbarer Kühlschrank und ein kleiner Bereich für Kaffeemaschine und Waschbecken den ­ohnehin eng bemessenen Platz. Leider konnte der BUSFahrer-Tester keinen Blick auf die Küchenzeile werfen, das Schloss der Abdeckplatte davor wollte sich nicht öffnen lassen. Abgesehen von solchen kleinen – aber ärgerlichen – Unzulänglichkeiten überzeugte der Innenraum durch eine sehr saubere und klapperfreie Verarbeitung. Selbst die berüchtigten Kopfsteinpflasterstraßen der sächsischen Schweiz ließen den Bus zwar erzittern, nicht aber erklappern. Wie hart es zur Sache ging, ließ sich lediglich an den Außenspiegeln ablesen, die deutlich ­vibrierten. Die Spiegel übrigens lassen sich ­weder anklappen noch abnehmen, das kann in Waschanlagen zu Problemen führen. Ganz zu schweigen davon, was passiert, wenn dem Fahrer auf großer Tour ein Spiegel abgefahren wird.

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