06.02.2013Der erste Euro 6-Test

Mercedes-Benz hat sich getraut und schickte mit dem Travego Edition 1 in der Safety Coach-Ausführung als erster Bushersteller ­überhaupt ein Euro 6-Fahrzeug auf Testfahrt.

Mercedes-Benz ist wieder einmal ganz vorn. Dabei geht es aber diesmal nicht um irgendwelche Bestmarken sondern um den Platz an der Testfront. Es geht um Euro 6-Motoren. Obwohl der Termin immer näher rückt, halten sich die meisten Motorenhersteller immer noch bedeckt. Zwar haben alle bereits ihre neuen Aggregate präsentiert, nur in fahrbaren Bussen sind sie noch echte Mangelware. Um so gespannter waren wir zu erleben, was denn in der Praxis nun anders ist, als mit ­einem Euro 5-Motor. Speziell das Thema Verbrauch hatte es uns angetan, denn rein physikalisch gesehen, verbrauchen Euro 6-Motoren erst einmal mehr als ihre unmittelbaren Euro 5-Vorgänger. Um das zu verhindern, sind sowohl Motoren- als auch Fahrzeughersteller gefragt, ein Gesamtpaket zu schnüren, welches zum einen verhindert, dass die neuen Saubermänner mehr verbrauchen und besser noch auf der anderen Seite dafür zu sorgen, dass der Verbrauch im
Gegenteil sinkt. Nun ist Mercedes-Benz mit einem Travego angetreten, in dem der starke, knapp 13 Liter Hubraum messende OM 471 verbaut ist. Mehr geht eigentlich nicht. Ob das eine gute Entscheidung war oder ob es auch einer der ­kleineren Motoren mit noch einmal mehr Sparpotential getan hätte, soll dieser Test zeigen.

Zuvor aber machen wir mit dem Bus einen ­Abstecher nach Südeuropa, der Hintergrund ist folgender: Der Gesetzgeber schreibt Euro 6-Motoren eigentlich erst ab Anfang 2014 vor, welche Gründe sprechen dafür, schon heute zu solch ­einem Sauberman zu greifen? Deswegen haben wir vor unserer normalen Testfahrt noch eine Testfahrt der ganz praktischen Art unternommen, bei der es auf die Fernlinie ging. Die Strecke: München–Dubrovnik. Die Distanz: 1.280 Kilometer. Die Fahrtdauer: zweieinhalb Tage. Die Aufgabe: Test der Praxistauglichkeit sämtlicher Komponenten. Und ein erster positiver Euro 6-Effekt wird sichtbar. Kurz vor der österreichischen Grenze besorgen wir uns eine GO-Box. Für die Strecke Deutschland–Österreich–Slowenien und zurück werden für unseren Dreiachser 150 Euro fällig. Mit einem Bus, der einen Euro 5-Motor verbaut hätte, wären laut Tabelle 200 Euro fällig gewesen. Zum ersten Mal spüren wir schon heute, im Jahr 2012, einen positiven Effekt durch den sauberen Motor im Heck. Natürlich mal ganz abgesehen davon, dass die Umwelt ohnehin profitiert.

Weiter geht es Richtung Zadar, Split und ­Dubrovnik ist auch nicht mehr weit. Wir befahren abwechselnd die Autobahn, um dann wieder über Bergketten zur Küstenstraße zu stoßen. Gerade in den Bergen sind die Leistungsdaten des Travego Edition 1 beeindruckend. Steigungen? Gab es welche? Mit dem Bus lässt es sich derart dynamisch fahren, dass man mit realen Fahrgästen eher auf deren Wohl als auf den ­eigenen Fahrspaß achten sollte. Der Verbrauch steigt an, zwischenzeitlich sind wir bei 32 l/100 km/h, am Ende aber pegelt sich der Verbrauch bei 30,6 l/100 km/h ein. In Anbetracht unseres Gewichts (der Testbus ist auf 20 Tonnen aus­geladen) und der sehr schwierigen Strecke scheint uns das ein sehr ordentlicher Wert zu sein. Diese Praxis-Werte können wir nun, am Ende unserer Test-Messfahrt in Deutschland, überprüfen und die Frage beantworten: Braucht dieser Bus mehr als ein vergleichbares Euro 5- Fahrzeug?





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