23.11.2010Farbe im Alltag

Der Setra S 415 H soll die eierlegende Wollmilchsau aus Neu-Ulm werden. Eine Mischung aus Überland-, Gelegenheits- und Reisebus. Geht so etwas? Wir wollten es wissen.
Normalerweise ist ein Hochbodenbus eine eher nüchterne, wenn nicht sogar langweilige Angelegenheit. Keine Spur von Glanz und Glamour, wie sie doch allzu häufig von extravaganten Reisebussen versprüht werden. Dröger Linienalltag dringt aus allen Poren und es bedarf schon einer gehörigen Portion Fantasie, um sich ein wenig mehr vorzustellen.
Schon von Weitem genau als Setra erkennbar. Sympathisch, dieses Setra-Lächeln. Da fährt Vertrautes vor, sozusagen ein Bote des ultimativen Busherstellers. Beim Näherkommen entpuppt sich das Fahrzeug dann doch als ein wenig kantig und gerade. Aha, eine ComfortClass ist es nicht, also womöglich ein UL? Nein, das ist es auch nicht. Dafür sind die Kofferklappen zu hoch. Wem die Zuordnung schwerfällt, dem kann geholfen werden: Der S 415 H ist eine Mischform. Zum Teil UL, zum Teil ComfortClass, zählt der Bus zur MultiClass. Diesen Bus gibt es bei einer Länge von 12,20 Metern mit zwei Achsen. Und das entspannt. Gerade mal 12,8 Tonnen wiegt der Bus leer. Da bleibt genügend Gewicht übrig, um das Fahrzeug auch bei voller Besetzung nicht zu überladen. Der eigentliche Sinn des S 415 H versteckt sich nämlich hinter den Kofferraumklappen. Der Mittelgang des Hochbodenbusses befindet sich etwa 1.040 Millimeter über der Fahrbahn, sodass der Bus mit einem Kofferraumvolumen von bis zu 6,7 Kubikmetern ausgestattet ist. Damit reiht er sich ein in die Riege der klassischen Doppelverdiener mit dem Unterschied, dass die Betonung auf seiner Eignung als Reisbus für Tagestouren oder Kurzreisen wesentlich stärker ausgeprägt ist als bei seinen Marktbegleitern. Genau das ist der Grund, weshalb sich der BUSFahrer diesen Bus auf der Testrunde anschaut, die üblicherweise reinen Reisebussen vorbehalten ist.
Denn die Eignung als Überlandbus setzen wir an dieser Stelle voraus. Da wären: Ein Wechselpodest gegenüber Tür zwei. Wird dieses herausgenommen, wird Platz für Rollstühle oder Kinderwagen frei. Beim Geschwister-Bus Mercedes-Benz Tourismo RH wird deutlich, was sich noch an dieser Stelle einrichten lässt, nämlich eine Klappbank beziehungsweise Klappsitze wie man sie aus einem Kino kennt. Beim S 415 H kann zudem die Gepäckablage inklusive Boden über dem Kinderwagenplatz herausgenommen werden. Die Fahrgäste sitzen auf recht bequemen Travel-Sitzen, und im vorderen Bereich zeugen die Halterung für die Kasse, die Zielbeschilderung sowie ein drehbarer Fahrersitz von der Bestimmung als Linienbus. Dazu gibt’s dann noch eine Fahrgastsignalanlage mit sechs Drückern.
Bilder
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(Foto: Setra)
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